Panel 11
34. Studierendentagung der Deutschen Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaft, Würzburg, 26.–29.05.2022

Panel 11

Hefepilze als mikroskopische Akteur:innen in der Weinherstellung. Postanimale Perspektiven auf Handlungspotenziale, Ethiken und Vorstellungen von Nachhaltigkeit in einer technisierten Weinwirtschaft

Manuel Bolz

Wann?
Samstag, 28.05., 16.30–18 Uhr
Wo?
Phil-Gebäude, Hörsaal 5
Hybrid?
Referent online; Vortrag wird in den Hörsaal übertragen

VORTRAG ENTFÄLLT!

Im Sommersemester 2020 fand am Hamburger Institut ein studentisches Projektseminar zum Thema „WeinWissen“ statt, in der sich achtzehn Studierende Medien, Narrative und Praktiken von Rausch, Geschmack und Distinktion widmeten. Ausgehend von diesen Vorüberlegungen und mit Ansätzen der Multi Species Ethnography/Mensch-Umwelt-Beziehungen/More-Than-Human-Ethnography nahmen meine Kolleg:innen S. Mallon, D. Helmke und ich spezifische Mensch-Wein-Hefepilzbeziehungen in den Blick. Wir verstehen sie als Ausdrucksform von NaturenKulturen, in denen menschliche Ethiken von Mikroorganismen verhandelt werden. Anhand von empirischen Material – Interviews mit Weinwissenschaftler:innen/Oenolog:innen – Zeitungsartikeln und naturwissenschaftlichen Schriften zeichne ich weinhefenspezifische Deutungs- und Argumentationsmuster, Abhängigkeitsbeziehungen und Machthierarchien nach, die im Sprechen über die Weinherstellung (Anbau, Abbau, Produktion) auftreten. Hefepilze erhalten in den Akteur:innen-Netzwerken also eine bestimmte Positionszuweisung, vor allem vor dem Hintergrund einer globalisierten und technisierten Weinwirtschaft, die sich stets zu optimieren, zu experimentieren und auszudifferenzieren versucht. Ich werde zeigen, dass Weinhefen keine passiven Akteur:innen sind, sondern dass sie selbst Handlungsmacht (agency) entwickeln können, insbesondere weil sie für den Geschmack (das Aroma) des Weins als wichtig erachtet werden. Gleichzeitig werden in diesem Fallbeispiel auf kondensierte Art und Weise Fragen nach Nachhaltigkeit, Klimawandelwissen, dem Stellenwert des Menschen im Anthropozän und als alternativ gelesenen Zukunftsentwürfen verhandelt.

Weitere Informationen zu Inhalten und Arbeitsweise des Seminars: <www.kulturwissenschaften.uni-hamburg.de/ekw/studium/sps/sps-wein.html>

Manuel Bolz

Manuel Bolz ist am Ende seines Masterstudiums der Empirischen Kulturwissenschaft (EKW) an der Universität Hamburg. Vorher studierte er dort EKW und Deutsche Sprache und Literatur und schloss sein Studium mit einer ethnografischen Bachelorarbeit zu Handlungsstrategien, Gesundheitskonzepten und Governancepraktiken in der Medizinanthropologie ab. Seine ethnografische Masterarbeit schreibt er zur Kulturtechnik der Rache als Form der (kommunikativen) Emotions- und Krisenpraktik. Neben seinem Studium arbeitete er als studentische/r Hilfskraft/Angestellter, Tutor und Lehrbeauftragter am Institut für Empirische Kulturwissenschaft und Germanistik sowie der Stabsstelle Gleichstellung der UHH.

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