Panel 7
34. Studierendentagung der Deutschen Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaft, Würzburg, 26.–29.05.2022

Panel 7

Zum Thema Tierwohl: von responsibilisierten Subjekten im Anthropozän

Nadja Neuner-Schatz

Wann?
Samstag, 28.05., 13–16 Uhr
Wo?
Phil-Gebäude, Hörsaal 4
Hybrid?
Referentin online; Vortrag wird in den Hörsaal übertragen

In den letzten Jahren wurde zunehmend und drängend gefordert, Tierwohl in der Lebensmittelproduktion sicherzustellen. Aus poststrukturalistischer Perspektive untersuche ich in meinem Beitrag den Tierwohldiskurs als Ort der Hervorbringung dieser dringlichen Forderung. Innerhalb des diskursiven Gefüges – so meine These – wird eine spezifische Subjektform angerufen, die ich als das responsibilisierte Subjekt des Anthropozäns bezeichnen möchte. Das nicht nur für sein eigenes, sondern auch für das Wohlergehen des planetaren Gefüges verantwortliche Subjekt ist im Tierwohldiskurs der Ausgangspunkt und zugleich das Ziel einer Neuausrichtung. Denn die Tierwohlforderung weitet den Zuständigkeitsbereich des individuell-verantwortlichen Subjektes entscheidend aus. Neben die Sorge um die eigene Gesundheit tritt die Aufforderung, beim Essen die Folgen für tierliche Existenzen in der Lebensmittelproduktion abzuwägen und sich einer ständigen Selbstprüfung zu unterziehen. Dabei sieht sich das Subjekt in der Lage, mit seinem Konsum Einfluss üben zu können und auch persönliche Verantwortung und Schuld für das Wohlergehen und Leiden tierlicher Lebewesen auf sich nehmen zu müssen. Zugespitzt formuliert: aus den responsibilisierten Subjekten des Anthropozäns werden im Tierwohldiskurs therio-responsibilisierte Konsument_innen. Zu diskutieren wird sein, warum diese Form der Responsibilisierung nicht dazu führt, dass das System der Nutztierhaltung grundlegend infrage gestellt wird.

Nadja Neuner-Schatz

Nadja Neuner-Schatz, MA ist Doktorandin am Fach Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck und Stipendiatin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Sie arbeitet derzeit an der Schnittstelle von Human-Animal Studies und Agro-Food Studies und forscht in ihrer Dissertation zum Wandel des Tier-Mensch-Verhältnisses in der kleinbäuerlichen Lebensmittelproduktion in Tirol.

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